Zu Beginn des Frühjahrs 2026 wurde ein neuer Fachausbildungszyklus für die Freiwilligen des CHRU gestartet. Ziel der Fachausbildungen ist es, die Experten einer bestimmten Unit der CHRU– IT, Movable Cultural Assets (MCA) oder Immovable Cultural Assets (ICA) – zusammenzubringen, um bestimmte Ausbildungsinhalte zu vertiefen und spezifische Abläufe zu testen. Im Laufe des Jahres sind weitere Fachausbildungen geplant.
IT-Fachausbildung
Im März 2026 trafen sich die KulturGutRetter-Expert:innen und THW-Einsatzkräfte aus dem Bereich IT/ICTim Rahmen der zweiten IT-Fachausbildung im Projekt KulturGutRetter. Gemeinsam übten sie die Inbetriebnahme der IT-Infrastruktur im Rahmen eines CHRU-Einsatzes, die Einrichtung der digitalen Dokumentationssysteme und die praktische Abwicklung von Abläufen.
Foto: IT-Fachausbildung 2026 | E. Iacono, DAI
In Zusammenarbeit mit den THW-Einsatzkräften aus dem Bereich ICT konnte das neue „Kit E“ getestet werden. Dieses enthält alle Komponenten, um in einem Einsatz ein eigenes flächendeckendes Netzwerk aufzubauen. Innerhalb dieses Netzwerks können beispielsweise mit mobilen Geräten Daten erfasst werden. Dafür wurden im Keller und im Garten der RGK Access-Points verteilt und über Kabel oder Funk verbunden. So konnten die Teilnehmenden auf den Einsatztablets der CHRU im gesamten Netzwerkbereich mobile und immobile Kulturgüter dokumentieren. Die an unterschiedlichen Stellen erzeugten Datensätze wurden live von den mobilen Geräten in die gemeinsame Datenbank eingespielt.
Foto: Test des “Kit E” | E. Iacono, DAI
Neben der Verfügbarkeit eines stabilen Netzwerkes ist die Bereitstellung der Formulare und Masken zur digitalen Dokumentation im Einsatz der zweite Baustein. Dafür müssen in jedem Einsatz einige spezifische Vorarbeiten geleistet werden. Diese beinhalten unter anderem die Anlage eines neuen Dokumentationsprojekts, die Anlage von Nutzer:innen sowie das Hinzufügen spezifischer Karten und Informationen zum jeweiligen Einsatzort. Diese Vorgänge werden von den IT-Experten mit der Open-Source-Software QGIS sowie der App QField/QFieldCloud ausgeführt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Weitergabe und Synchronisation der Daten auf unterschiedlichen Geräten und für mehrere Mitarbeiter. Mithilfe der KulturGutRetter-ID-Karten wurden die Abläufe geübt, um möglichst automatisierte Vorgänge für die Mitglieder der CHRU im Einsatz bereitstellen zu können.
Foto: Vorbereitung der Formulare und Masken für die digitale Dokumentation | E. Iacono, DAI
Insbesondere die Zusammenarbeit und das Verständnis für die jeweiligen Aufgaben zwischen den IT-Expert:innen und den ICT-Einsatzkräften konnten erfolgreich vertieft werden. Die Teilnehmenden wurden zudem darauf vorbereitet, bei zukünftigen Veranstaltungen selbstständig als IT-Expert:innen zu fungieren und ihr Wissen an MCA- und ICA-Expert:innen sowie THW-Einsatzkräfte der CHRU weiterzugeben, sei es als Trainer:in bei einer Übung oder direkt in einem Einsatz.
MCA-Fachausbildung
Einige Tage später trafen sich die Experten der MCA-Unit am LEIZA in Mainz. Das zentrale Thema dieser Fachausbildung war: “Was passiert mit unserem Kulturerbe, wenn Wasser zur Gefahr wird?”
Identifikation der zu bergenden Gegenstände mittels einer ID-Karte; Verfahren zum Bergen eines Gegenstands aus dem Wasser; Nassreinigung | Fotos: R. Müller, LEIZA.
- Stehendes Wasser, um Starkregen zu simulieren.
- Löschwasser mit Ruß, wie nach einem Brand.
- Schlamm, im Fall einer Überschwemmung.
Jeder/m Teilnehmenden wurde ein Objekt pro Szenario zugewiesen. Da die Teilnehmenden in Zweierteams eingeteilt wurden, konnte jedes Team sechs Objekte und sechs Materialgruppen durch den Prozess begleiten. Die Teilnehmenden durchliefen dann mehrere Stationen des Notkonservierungslabors: Erfassung und Bergung; Triage; Nassreinigung und alternative Maßnahmen bis hin zur Trocknung. Jede Station wurde im Anschluss in der großen Gruppe besprochen, um Erfahrungen zu teilen und die wichtigen Punkte an alle zu vermitteln.
Um die praktischen Abläufe an jeder Station zu erlernen, wurden sowohl analoge als auch digitale Dokumentationsmethoden eingesetzt, unterstützt durch Arbeitsblätter und Tablets. Dem praktischen Teil der Übung ging eine Einführung in QField und den digitalen Dokumentationsprozess der CHRU voraus. Zwei IT-Experten begleiteten den gesamten Schulungsprozess und leisteten aktive Unterstützung.
Digitale Erfassung von evakuierten Gegenstände | Foto: R. Müller, LEIZA
An der Station Dokumentation und Bergung waren die Teilnehmenden gefordert, kreative Lösungen für die Bergung empfindlicher Objekte und deren vorübergehende Transportsicherung zu finden. Wie bei einem realen Einsatz wurden vorab ID-Karten verteilt und die Objekte vor Ort mithilfe von Tablets dokumentiert.
An der Triage-Station wurden Fragen wie „Wie priorisieren wir Aufgaben im Notfalllabor und warum?“ sowie „Welche Ausnahmefälle könnten auftreten?“ behandelt.
An der Nassreinigungsstation machten sich die Teilnehmenden zunächst mit den verschiedenen Funktionen des Moduls – Pendelbrause, Airbrush, Reinigungsaufsatz– vertraut, bevor sie den Umgang mit den unterschiedlichen Materialien ausprobierten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der korrekten Vorgehensweise beim Einwickeln von Büchern und Archivmaterialien.
Die Trocknungsmethoden wie den „Windtunnel“ oder die „Haubentrocknung“ wurden in einem Mastertent getestet. Dabei kamen Heizlüfter, Ventilatoren, Bautrockner und speziell angefertigte wasserdampfdurchlässige Hauben zum Einsatz. Der Trocknungsprozess wurde mit Hygrometern und einer Waage überwacht. Der Vorgang wurde digital in QField dokumentiert, und die Objektverfolgung wurde mithilfe eines zusätzlichen analogen Nummernsystems getestet.
Geborgene Objekte | Foto: S. Steidl, LEIZA
Auch logistische Probleme, die während des Einsatzes auftreten können, wurden in der Fachausbildung behandelt. Nach der Ankunft im Einsatzland besteht der erste Schritt darin, eine Palettenliste der zahlreichen Alukistenstapel zu erstellen; anschließend werden die Transportkisten sinnvoll verteilt und gelagert. Zudem übte das Team die Ausstiegsstrategie für den Umgang mit dem Nassreinigungsmodul. Reinigen, Trocknen, Verpacken – das alles braucht Zeit.
Die enge Verzahnung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung machte die MCA Fachausbildung besonders nachhaltig – und zeigte einmal mehr, wie wichtig Vorbereitung, Zusammenarbeit und Fachkompetenz im Kulturgutschutz sind. Die Veranstaltung war nicht nur fachlich erfolgreich, sondern auch geprägt von intensivem Austausch und gemeinsamer Motivation.
