Im Juni 2026 fand im brandenburgischen Mesendorf die zweite praxisorientierte Fachausbildung für das gebaute Erbe im Projekt KulturGutRetter statt, zu der insgesamt 16 KulturGutRetter-Freiwillige und THW-Einsatzkräfte aus dem Bereich ICA (Immovable Cultural Assets) zusammenkamen und von einem Team aus dem Architekturreferat des DAI angeleitet wurden.
Gemeinsam konnten über mehrere Tage Standardabläufe für den Ernstfall geübt und Arbeitsabläufe für die Rettung des gebauten Kulturerbes trainiert und auf ein tatsächliches Baudenkmal angewandt werden.
Die KulturGutRetter-Freiwilligen und das ICA-Team in Mesendorf. Foto: G. Thalmann
Die historische Burgruine Mesendorf liegt auf einer Halbinsel im Gutspark des gleichnamigen Dorfes in der Prignitz. Die hoch aufragenden Mauerreste des rechteckigen Baukörpers aus Feldsteinen und Ziegel zeigen heute deutliche Schäden. Bereits 2025 wurden einzelne Bereiche in der ersten ICA Fachausbildung notgesichert.
Zu Beginn wurden die Teilnehmenden in fünf Teams aufgeteilt. Mehrere Teams dokumentierten die Burgruine fotografisch, mit Hilfe von Vermessungsgeräten und in Form von dreidimensionalen Modellen und Punktwolken, während sich weitere Teams jeweils mit der Schadensbewertung und der Umsetzung der konkreten Maßnahmen abwechselten. Nach der Schadenserfassung, Basisdokumentation, Vermessung und Grundrisserstellung konnten in den priorisierten Schadensbereichen stabilisierende Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Hierbei handelte es sich in erster Linie um das Hinterfüllen loser Mauerwerksschalen, das Schließen von Rissen und unterstützende Untermauerungen.
Vermessung- und Stabiliserungsmaßnahmen am Burgruine. Fotos: T. Busen, DAI
Als Material hierfür wurde ein sogenannter trocken gelöschter Sandkalkmörtel hergestellt, der historisch weitläufige Verwendung fand. Der Mörtel wird aus Sand und gebrannten Kalksteinen wie ein Sandwich aufgeschichtet und im Sandbett abgelöscht. Der Clou dabei: hohe Hitze und ein ultraalkalisches Milieu entstehen im Sandhaufen, was die Bildung wasserfester Calcium-Silikat-Verbindungen begünstigt. Beim Mischen des Mörtels entstehen zusätzlich sogenannte Kalkspatzen, kleine Kalkagglomerate, die dem Mörtel Selbstheilungskräfte verleihen, wie sie jüngst auch für römischen Beton nachgewiesen wurden.
Für die Ruinensicherung wird der Mörtel noch zusätzlich mit Branntkalkpulver modifiziert. Dieser Zusatz bewirkt eine zügige Verfestigung und Ausdehnung, was insbesondere zur Sanierung von Rissen vorteilhaft ist.
Vorbereitung von Sandkalkmörtel. Foto: T. Busen, DAI
Der zweite Einsatzort war die Dorfkirche in Mesendorf. Der Fokus lag dabei primär auf dem Kirchturm aus dem 18. Jahrhundert. Der für die Öffentlichkeit jüngst geschlossene Kirchturm wies statische Mängel auf, weswegen ausschließlich Arbeiten im Außenbereich erfolgten. Um insbesondere die weit oben gelegenen Schäden evaluieren zu können, erstellten mehrere Teams ein Vermessungsnetz und beflogen den Turmbereich mit einer Drohne. Es erfolgte zusätzlich eine Schadensdokumentation und -bewertung.
Vor jeder großen physischen Maßnahme erfolgte eine digitale Erfassung des Schadensbereiches in Foto und als 3D-Modell, Teils in Kombination von Drohnen- und handgeführten Kameraaufnahmen. Die genaue Dokumentation von Bereichen, die verändert werden, ist für die Nachvollziehbarkeit der erfolgten Maßnahmen von besonderer Bedeutung.
Schadensdokumentation und – bewertung an der Dorfkirche. Foto: Sibel Erhan, DAI
Um mehr Freiwillige auszubilden und ihre praktischen Erfahrungen zu vertiefen, sind für dieses Jahr weitere Fachausbildungen im Bereich des immobilen Kulturguts geplant.
