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22 Januar 2026

KulturGutRetter | Jahresüberblick 2025

KulturGutRetter | Jahresüberblick 2025
22 Januar 2026

Im Jahr 2025 wurde im Projekt KulturGutRetter die 2024 begonnene Ausbildung der ehrenamtlichen CHRU-Mitglieder weitergeführt und der Pool von Freiwilligen weiter ausgebaut. Parallel wurde der nationale und internationale Austausch fortgesetzt, um die Integration des Kulturgutschutzes in den Zivilschutz weiter voranzutreiben.

Weiterführung des ausbildungsprogramms

Zweite CHRU-Stationsausbildung

Im September 2025 nahmen rund 60 Ehrenamtliche des Projekts KulturGutRetter an der zweiten Stationsausbildung im THW-Logistikzentrum Hilden teil, um sich auf internationale Einsätze zum Schutz von Kulturgütern in Katastrophenfällen vorzubereiten. In die Ausbildungsveranstaltung, organisiert vom DAI, LEIZA und THW, wurden dieses Mal auch ehemalige Teilnehmende als Trainerinnen und Trainer eingebunden.

Im Rahmen der Stationsausbildung lernten die Teammitglieder, wie man mobile und immobile Kulturgüter unter Katastrophenbedingungen sichert, dokumentiert und konserviert. Dazu gehörte nicht nur die unterschiedlichen Stationen desmobilen Notkonservierungslabors, sondern auch die Verknüpfung moderner Vermessungstechniken wie 3D-Laserscanning und GNSS sowie der Einsatz eines digitalen, GIS-basierten Dokumentationssystems für die Kartierung und Bewertung von Gebäudeschäden und Sammlungsobjekten.

Das praxisnahe Programm enthielt auch Aspekte der Teamzusammenarbeit, bspw. im Bereich von Bergungsszenarien und stärkte so auch die so wichtige Kommunikation zwischen den CHRU-Mitgliedern. Mit Abschluss der Ausbildung zählt die Cultural Heritage Response Unit (CHRU) bereits über 130 einsatzbereite Fachkräfte aus Bereichen wie Architektur, Archäologie, IT, Konservierung und Katastrophenschutz.

CHRU-Stationsausbildung 2025, Foto: D. Fleischer, DAI | Gruppenfoto, Foto: Wiesner, THW

Fachausbildungen

Im Jahr 2025 fanden mit den Fachausbildungen für IT, gebautes Erbe und mobiles Kulturgut erstmals vertiefende Ausbildungsformate in kleineren Gruppen statt.

Den Anfang machte Ende April 2025 ein gemeinsamer Workshop von KulturGutRetter-IT-Expert*innen- und THW-ICT-Fachleuten in Berlin. Dabei trainierten die Teilnehmenden die  Nutzung der IT-Infrastruktur für CHRU-Einsätze, sie bauten Netzwerke auf, nutzten digitale Geräte und arbeiteten mit dem Dokumentationssystem QField. Sie testeten Messungen mit GNSS-Receivern sowie die parallele Datenerhebung über erweiterte Netzwerkinfrastrukturen. Die Ergebnisse dienten der Vorbereitung eines Folgeworkshops zur finalen technischen Konfiguration.

Im Juni 2025 trainierten 13 Mitglieder der CHRU-Einheit „Immovable Cultural Assets (ICA)“ in der Prignitz unter Leitung des Architekturreferat an der Zentrale des DAI die Notdokumentation und Erstsicherung von gebautem Kulturgut. An der Burgruine Mesendorf und der Plattenburg bei Perleberg testeten sie Verfahren, Werkzeuge und Materialien zur schnellen Dokumentation und Schadensbewertung. Dabei entstanden präzise 3D-Daten mittels UAV und Laserscanning, instabile Mauerpartien wurden mit modifiziertem Kalksandmörtel und Spiralankern stabilisiert. Zusätzlich überprüfte ein Team an der Plattenburg die Standsicherheit eines Gebäudeteils und mögliche Gefahrenquellen.

Die Fachausbildung zur Bergung und Notkonservierung mobiler Kulturgüter fand im Oktober 2025 im THW-Logistikzentrum Hilden statt. Unter Leitung des LEIZA trainierten die Freiwilligen der CHRU-Einheit „Movable Cultural Assets (MCA)“ den praktischen Umgang mit nassen und beschädigten mobilen Kulturgütern. Im Mittelpunkt standen Bergung, Reinigung und Trocknung, der Aufbau des Nassreinigungsmoduls sowie die digitale Dokumentation per App QField. In Szenarien zu Überschwemmung, Brand und Wasserrohrbruch wurde der Einsatz verschiedener Materialien und Geräte geübt. Die lebhafte Zusammenarbeit und der fachliche Austausch stärkten das gemeinsame Handeln von Einsatzkräften und Freiwilligen.

 

IT-Fachausbildung, Foto: B. Fritsch, DAI | ICA-Fachausbildung, Foto: T. Busen, DAI | MCA-Fachausbildung, Foto: LEIZA

Europäische Schulungen

Im Juni und September 2025 fanden in Caserta, Italien, zwei „Training Modules on the Protection of Cultural Heritage at Risk” des EU-Projekts PROCULTHER-NET2 statt. An diesen nahmen insgesamt acht CHRU-Mitglieder aus Deutschland teil: vier Zivilschutzexperten und vier Fachleute für das Kulturerbe. Sie erweiterten ihr Wissen über Schutz und Notversorgung in Krisen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen UCPM-Mitgliedsstaaten, um Einsätze innerhalb und außerhalb Europas vorzubereiten. Die praxisorientierte Schulung basierte auf den aktualisierten „Key Elements of a European Methodology” und behandelte die Phasen der Aktivierung über den EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM) sowie operative Herausforderungen wie die Zwischenlagerung von Kulturgut. Besondere Schwerpunkte lagen auf der Sicherung des immobilen Erbes mit praktischen Übungen, dem Schutz des mobilen Erbes, einschließlich Büchern und Archiven, sowie der Bewertung von Schäden am immateriellen Kulturerbe.

PROCULTHER-NET2 Training in Caserta, Italien | Fotos: DPC, PROCULTHER-NET2

AUSTAUSCH UND VERBREITUNG DES PROJEKTSAUF NATIONALER UND IN-TERNATIONALER EBENE

Nationaler Workshop

Mehr als fünf Jahr nach dem letzten KulturGutRetter-Workshop 2020 fand im April 2025 unter Leitung des DAI mit Unterstützung von THW und LEIZA der zweitägige Online-Workshop „Gestern-heute-morgen: Wo steht der Schutz des kulturellen Erbes 2030?“ statt. Im Rahmen des EU-Projekts PROCULTHER-NET2 brachte er über 50 Fachleute aus deutschen Institutionen des Kulturgut- und Katastrophenschutzes erneut zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, aktuelle Entwicklungen zu bewerten und künftige Strategien zur Krisenbewältigung zu diskutieren.

Am ersten Tag stellten Vertreter aus Italien und Deutschland europäische und nationale Ansätze zum Schutz von Kulturgütern vor, darunter das Projekt KulturGutRetter und das Programm zur Bundessicherungsverfilmung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). In Arbeitsgruppen wurden Herausforderungen bei mobilem und immobilem Erbe sowie im IT- und Datenmanagement beraten.

Der zweite Tag widmete sich der praktischen Zusammenarbeit zwischen Notfallverbünden und Einsatzkräften, gemeinsamen Standards der Leibniz-Forschungsmuseen und dem vom Verband der Restauratoren (VDR) herausgegebenen „Einsatzhandbuch Kulturgut“. Weitere Gruppen diskutierten Themen wie Ausbildung, ethische Leitlinien, Wissensaustausch und den Umgang mit Spontanhelfenden.

Der Workshop stärkte das nationale Netzwerk, förderte die Verständigung zwischen Fachbereichen und setzte Impulse für eine engere Verzahnung von Kulturgut- und Katastrophenschutz.

Graphiken: S. Lörscher

Vorstellung der CHRU-Einsatzausstattung für europäische Partnern

Anfang Juli 2025 stellten die KulturGutRetter-Partner im THW-Logistikzentrum in Hilden den Partnern des PROCULTHER-NET2-Projekts die speziell für die CHRU entwickelte Ausrüstung für die Notversorgung von Kulturgütern nach Katastrophen vor. Für diesen Studienbesuch reisten Vertreter*innen aus Italien, Frankreich, der Türkei und Portugal an, um sich die Ausstattung vor Ort erläutern zu lassen und im Detail anzusehen.

Die präsentierte Ausstattung umfasst mehrere Komponenten: logistische Elemente für die autarke Unterbringung und Einsatzführung der CHRU, Spezialausstattung für die Erstversorgung des gebauten Erbes mit Vermessungsgeräten für 2D- und 3D-Dokumentation sowie Werkzeugen zur Reinigung, Stabilisierung, Notkonservierung und gegebenenfalls Demontage geschädigter Bauteile – und nicht zuletzt das modulare mobile Notkonservierungslabor für mobiles Kulturgut, in dem Sammlungs- und Archivgut registriert, gereinigt und dokumentiert werden kann, sowie Hard- und Software für eine vollständig digitale Einsatzdokumentation, in der betroffene Objekte, Schadensbilder und ergriffene Notmaßnahmen systematisch erfasst werden. Die ausländischen Gäste hoben besonders hervor, dass die CHRU-Ausstattung in dieser Form einzigartig in Europa sei und als Vorbild für ähnliche Strukturen in ihren Heimatländern dienen könne.

Vorstellung der CHRU-Ausstattung in Hilden. Fotos: C. Domenech, DAI

Teilnahme an Veranstaltungen und Konferenzen

Vom 3. bis 4. April 2025 fand in Krakau das Internationale Forum „Safe Cultural Heritage – European challenges in times of war and crisis“ statt, organisiert vom polnischen Ministerium für Kultur und Nationales Erbe sowie dem Ministerium für Inneres und Verwaltung, bei dem europäische Expertinnen und Experten die Herausforderungen beim Schutz des kulturellen Erbes in Krisen, Kriegen und hybriden Bedrohungen diskutierten. DAI und THW waren für das Projekt KulturGutRetter vor Ort dabei. In Expertensitzungen wurden Themen wie Bedrohung der Informationssicherheit für kulturelle Einrichtungen, die Rolle des immateriellen Erbes für die europäische Sicherheit, Verantwortung bei vorsätzlichen Angriffen sowie Beispiele aus Finnland, Estland, Lettland und der Tschechischen Republik zu hybriden Angriffen behandelt. Ein Höhepunkt war die Demonstration der Evakuierungsverfahren für die Staatlichen Kunstsammlungen des Wawel-Königsschlosses, die Schulungen, spezielles Evakuierungsmaterial, innovative Lösungen für Gobelins sowie Personalschulungen und Videos umfassen.

Evakuierungsmaßnahmen für Kulturgüter im Wawel-Königsschloss, Krakau. Fotos: C. Domenech, DAI

Auf dem Jahrestreffen der Notfallverbünde im Juni 2025 in Darmstadt wurde der Stand der Entwicklungen im Projekt KulturGutRetter präsentiert, insbesondere die optimierte Version des mobilen Notkonservierungslabors mit Fotostation, Nass- und Trockenreinigung sowie Verpackung, basierend auf Feedback aus Ausbildung und Übungen 2024. Die große Anzahl an Teilnehmern spiegelte die Dynamik der Bewegung der Notfallverbünde wider, die insbesondere mit Unterstützung des BBK weiter wächst. Es wurde über Evakuierungen, Safe Havens und hybride Bedrohungen sowie über gemeinsame Standards diskutiert.

Im September 2025 wurde das mobile Notkonservierungslabor in Wien auf der 28. Österreichischen Tagung der Restaurator:innen für archäologische Bodenfunde präsentiert. Ebenfalls im September wurde die CHRU im Rahmen eines Studientags zum Thema Notfallmanagement in Archiven vorgestellt, der von der spanischen Nationalschule für Zivilschutz in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium organisiert wurde.

Vortrag in Darmstadt, Foto: C. von Bieberstein, DAI | Vortrag in Wien, Foto: Österreichisches Bundesdenkmalamt.

Technical Bulletins von PROCULTHER-NET2

Im Rahmen des Projektes PROCULTHER-NET2 engagiert sich das DAI zusammen mit den Kolleginnen des italienischen Zivilschutzes für die Zusammenstellung und Herausgabe der halbjährlich erscheinenden „Technical Bulletins“. Im Jahr 2025 konnten zwei neue Ausgaben veröffentlicht werden: 

  • Technical Bulletin 5
  • Technical Bulletin 6

Diese Fachzeitschrift über den Schutz des Kulturerbes in Katastrophenfällen enthält Erfahrungsberichte und Best Practice Beispiele von Fachleuten aus den Bereichen des Kulturgutschutzes und des Zivil-/Katastrophenschutzes. Neben anderen spannenden Artikeln enthält das Technical Bulletin #5 ab S. 21 einen vom DAI und THW gemeinsam verfassten Artikel über die Cultural Heritage Response Unit (CHRU).

Die früheren Ausgaben der Technical Bulletins sind hier zu finden:

  • Technical Bulletin n.1
  • Technical Bulletin n.2
  • Technical Bulletin n.3
  • Technical Bulletin n.4
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